Referenzen: siehe ab Newsletter 4

 

Jeder Newsletter ist in zwei Bereiche unterteilt:

  1. CICB: hier wird über Tätigkeiten des CICB in den vergangenen Monaten berichtet, ebenso über Erfahrungen, Begegnungen und Gedanken.
  2. In einigen Beiträgen wird ein Fachbereich besprochen; teilweise in Auszügen aus dem Handbuch Interkulturelle Kompetenz
    (allf. Quellenangaben siehe dort) oder in ergänzenden Artikeln mit neuen resp. aktuellen Berichten und Fachbereichen.

Nr. 1, September 2000

Nr. 2, Januar 2001

Nr. 3, Juni 2001

Nr. 4, Dezember 2001

Nr. 5, Februar 2002

Nr. 6, Oktober 2002

Nr. 7, März 2003

Nr. 8, Juli 2003

Nr. 9, November 2003

Nr. 10, April 2004

Nr. 11, August 2004

Nr. 12, Mai 2005

Nr. 13, Oktober 2005

Nr. 14, Juli 2006

Nr. 15, Juni 2007

Nr. 16 Juni 2008

Nr. 1, September 2000

1. Teil: CICB

Die Gründung des ‚CICB Center of Intercultural Competence’ war ein relativ langer, aber kontinuierlicher Prozess. Seit langem schon interessierten mich die unterschiedlichen Denk- und Kommunikationsarten der Menschen; dieses Interesse wuchs während meiner langjährigen Tätigkeit in internationalen Unternehmen, während Auslandaufenthalten und auf Reisen in bisher über 65 Länder.

Nicht nur die unterschiedlichen Kulturen, ihre Geschichte und ihre Ausdrucksformen faszinierten mich, sondern auch die unterschiedliche Weise und Bedeutung der Sprachen. Meine Muttersprache ist Deutsch, und ich spreche fliessend Englisch und Französisch, recht gut Spanisch sowie etwas Italienisch und Russisch, und ich stellte fest, dass man Wörter und Sätze zwar genau übersetzen kann, doch die Bedeutung dieser Sätze oft sehr verschieden ist. Die Vielseitigkeit der Welt – Menschen, Länder, Sprachen, Kulturen – ist faszinierend und gleichzeitig herausfordernd, sicher aber eine Bereicherung.

Obwohl meine berufliche Tätigkeit, zuletzt als Deputy General Manager im Swissair Training Center in Zürich, hochinteressant war, suchte ich eine neue Herausforderung – einerseits um meine privaten Interessen und Hobbies vermehrt einzubringen, und andererseits meinem Ziel, Eigenverantwortung und Selbsverwirklichung, näherzukommen.

Ende 1998 schrieb ich in meinem berufsbegleitenden Betriebswirtschafts-Studium die Diplomarbeit ‚Beurteilung interkultureller Kompetenz. Zusammenstellung von Verfahren aus Wirtschaft und Wissenschaft’. Die Arbeit fand sehr guten Anklang, sowohl das Thema ‚Interkulturelle Kompetenz’ als auch der Vergleich von Beurteilungsmöglichkeiten, der in dieser Form zum ersten Mal vorgetragen wird.

Im Oktober 1999 entwarf ich meine private Homepage (www.baumer.net), um meine praktischen Erfahrungen mit dem Internet und im Web-Design zu erweitern, aber auch, um Freunden und Bekannten einen grösseren Einblick in meine Interessen und Tätigkeiten zu geben.

Aufgrund meiner wachsenden Interessen an zwischenmenschlicher Kommunikation, an den Ländern und Kulturen dieser Welt, und gleichzeitig aufgrund des positiven Echos auf meine Diplomarbeit entschied ich mich Anfang 2000, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen: als erstes überarbeitete ich meine Diplomarbeit – sie nahm den mehrfachen Umfang an – und formulierte meine Geschäftsidee in einem Businessplan. Viele organisatorische und administrative Tätigkeiten drängten sich auf: Rechts-, Wirtschafts- und Steuerberatung, die Wahl eines Grafikers, um das Corporate Design zu gestalten (Firmen-Logo, Briefpapier, Visitenkarten, Power-Point-Folien, Präsentationsmappe usw.), eines Web-Designers (Gestaltung des Internet-Auftritts), Wahl der Rechtsform, Marktanalyse, vielfältige Kontakte mit Unternehmen und Forschern, die im Bereich interkulturelle Kompetenz oder angrenzenden Bereichen tätig sind, und Vorbereitung der Besuche verschiedener Persönlichkeiten, um deren Meinungen und Erfahrungen kennenzulernen.

Viele Ideen und konstruktive Kritik kam von Freunden, im Familenkreis, von Bekannten, Geschäftspartnern und freien Mitarbeitern betreffend der Geschäftsidee, im korrigierenden Durchlesen meines Buches ‚Handbuch Interkulturelle Kompetenz’, den Präsentationen und Übersetzungen, für die ich auch an dieser Stelle herzlich danke!

In fast allen administrativen Bereichen war die Auswahl geeigneter Partner recht anspruchsvoll, da sowohl hohe Professionalität als auch persönliche Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit sowie eine „gemeinsame Chemie“ wichtig sind.

Ich arbeitete eine Strategie resp. einen Zeitplan aus – meist konnte ich dessen Reihenfolge, nicht immer aber dessen Zwischenziele einhalten, da viele Faktoren entweder fremdbestimmt oder zeitintensiver als angenommen – oder beides waren. Doch jeder Kontakt, jede Teilarbeit war noch interessanter und vielseitiger als ursprünglich vermutet!

Der „Schritt in die Öffentlichkeit“ vollzieht sich in drei Stufen: erstens mit der Gründung des CICB (Eintrag ins Handelsregister) am 30. Mai 2000, zweitens die Freischaltung der Homepage am 21. September 2000, und drittens mit Auftritten in den Medien nach Abschluss der letzten Vorbereitungen, Besuche und Fertigstellung der Kurse im Angebot des CICB Ende 2000.

Gegenwärtig bin ich also an den Korrekturen meines Buches, den Vorbereitungen der Präsentationen und Kurse sowie an vielen Gesprächen und damit verbundenen Reisen, worüber ich im nächsten Newsletter berichten werde.  

 

2. Teil: Fachbereiche

In diesem ersten Newsletter besprechen wir den Begriff Kultur:

Kultur wird definiert als „Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Äusserungen einer Gemeinschaft, eines Volkes“, eine „gepflegte, kultivierte Lebensweise“ oder auch „angebaute, junge Pflanzen resp. gezüchtete Mikroorganismen oder Gewebszellen“. In unserer Arbeit sind in erster Linie die zwischenmenschlichen Aspekte der Kultur betroffen. Gemeinsam in allen bekannten Definitionen von „Kultur“ ist die während einer bestimmten Zeit geschaffene Gemeinsamkeit (mehrere Menschen leben in einer Kultur oder teilen zumidest einzelne Aspekte davon).

Eine gesamtheitliche Umschreibung der Kultur kann sich nicht nur an Weltreligionen oder Kulturkreisen orientieren, sondern muss alle ethnologisch-sozialen Bereiche miteinbeziehen, die unter Kultur die Gesamtheit der materiellen und einstigen Aktivitäten und Produkte einer bestimmten sozialen Gruppe versteht, die sich von ähnlichen Gruppen unterscheidet. Kultur ist somit ein komplexes Gebilde, das Wissen und dessen Anwendung, Glaubensvorstellungen, Kunst, Moral, Gesetze, Bräuche sowie alle Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich Menschen als Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft aneignen und wodurch sie sich von anderen Gruppierungen unterscheiden, einschliesst.

Im Sinne der modernen Kulturanthropologie ist Kultur im wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen, Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden – vereinfacht gesehen ist Kultur also die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen.

Im Zusammenhang mit der interkulturellen Kompetenz kann Kultur auch definiert werden als kollektive Bewusstseinsprogrammierung, die die Mitglieder einer Gruppe von denen einer anderen unterscheidet, sowie als explizite und implizite Muster von und für Verhaltensweisen einer Gemeinschaft. Sie entsteht aus traditionellen Ideen, Werten, aus ethnischen, geographischen und politischen Gegebenheiten und aus oft unerklärlichen Zufällen. Sie ist, „was man wissen oder glauben muss, damit man so handeln kann, dass es für ihre Mitglieder akzeptabel ist“.

Allerdings ist es schwierig, im analytischen, aber auch normativen Sinn eine Kultur in ihren spezifischen Wesensmerkmalen genau abzugrenzen, da Einflüsse anderer Kulturbereiche omnipräsent sind.

Kultur kann verstanden werden als:

  • System von Werten, Symbolen, Ritualen, Bräuchen, Verfahrens-, Verhaltensweisen einer Gemeinschaft von Menschen sowie Lernprozesse
  • Äusserung: Verhalten (Begrüssung, Probleme lösen...), Gefühle (Freude, Besorgnis...), Gegenstände (Kleidung, Gebäude...), Denken (Einstellungen, Meinungen...)
  • Einheit: Nation, Region, Geschlecht, Generation, Unternehmung, Beruf, Subkultur...
  • Funktion: Orientierung, Verhaltenssteuerung, Sinn, Kommunikation, Zusammenleben, Identität, Abgrenzung

Auch Tätigkeiten und Gegenstände können Kultur bedeuten resp. eine Ausdrucksmöglichkeit von Kultur sein, somit alle künstlerischen Tätigkeiten und Produkte wie Musik, Opern, Theater, Schauspiel, Poesie, aber auch Malerei, Bilder, Schnitzereien, Uhren, Kultgegenstände wie Masken, Totems, weiter Ausstellungen, Sammlungen usw. Der Besitz oder Gebrauch von kulturellen Objekten, ebenso wie der Besuch kultureller Veranstaltungen zeigt die Wertschätzung, Liebhaberei oder Identifikation mit dieser kulturellen Ausdrucksform, der Kultur dahinter und / oder der Arbeit, die zur Schaffung des Werkes aufgewendet wurde.

Beobachtbar wird Kultur in den Verhaltensweisen der Kulturangehörigen und in deren Erzeugnissen. Kultur äussert sich in Sitten und Gebräuchen, in Märchen und Sagen, in der Kunst und Architektur, in sozialen Institutionen, in Gesetzen und Wirtschaftsteilen. Doch die sichtbare Ebene der Kultur ist nicht unbedingt die bedeutendste:

  • 1. sichtbare Ebene: Verhalten und kulturelle Erzeugnisse (Führungsstil, Lebensweise, Verhandlungstaktiken, Arbeitsplatzgestaltung usw.)
  • 2. bewusste Ebene: Werte und Normen (Individualismus, Gleichheit, Rolle der Frau usw.)
  • 3. unbewusste Ebene: unbewusste kulturelle Grundannahmen (Raum- und Zeitkonzept, Verhältnis von Mensch und Umwelt, Vorstellung über die Natur des Menschen usw.)

 

Im zweiten Newsletter werden wir den Begriff Interkulturelle Pädagogik näher beleuchten.  

 

 

Nr. 2, Januar 2001

1. Teil: CICB

Die vergangenen Monate waren geprägt von der Fertigstellung des Buches ‚Handbuch Interkulturelle Kompetenz’, der Vervollständigung und Verfeinerung der Hauptkurse (Halbtages- und Ganztageskurs), der Vorbereitung von Vorträgen sowie Medienauftritten, ebenso besuchte ich weitere Fachpersonen im In- und Ausland.

Ende Dezember 2000 waren die letzten Korrekturen am ‚Handbuch Interkulturelle Kompetenz’ angebracht; zur Zeit ist es beim Verlag in Zirkulation und wird voraussichtlich Mitte 2001 publiziert.

Auf die bisher vorgestellten Kursblöcke habe ich ausgezeichnetes Feedback erhalten - wie in vielen Bereichen spielt auch hier der Zeitfaktor eine grosse Rolle, um ein einwandfreies Produkt vorstellen zu können! Nach Gesprächen mit interessierten Kundenkreisen erwarte ich, die ersten Hauptkurse Mitte 2001 im deutschsprachigen Raum geben zu können. Die englischsprachigen Kurse und Vorträge sind für 2002 geplant, ebenso die Publikation des ‚Handbuch Interkulturelle Kompetenz’ in englischer Sprache. Weiterhin spielen natürlich auch interdisziplinäre Kontakte, Vorträge und Medienauftritte eine wichtige Rolle.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Hier wird das Thema interkulturelle Pädagogik kurz beleuchtet:

Interkulturelles Lernen heisst, Unvertrautem mit Neugierde zu begegnen, das Fremde als Bereicherung der eigenen Kultur und als selbstverständlichen Teil des Alltags wahrnehmen und erfahren. Somit ist interkulturelles Lernen eine Pädagogik für alle, für die Mehrheit wie für die Minderheiten.

Die gesellschaftlichen Bedingungen haben sich durch Migrationen verändert. Im komplexen Umfeld von Familie, Schule und Gesellschaft müssen Kinder und Jugendliche hohen Ansprüchen genügen: sie leben einerseits in einer vielfach „geschlossenen“ Kultur in der Familie, andererseits im multikulturellen Bereich von Schule und Gesellschaft, dessen kulturelle Prägung oft sehr unterschiedlich zum familiären Bereich ist. Das Denken und die Wertvorstellungen werden in früher Kindheit kulturell konditioniert!

Kinder und Jugendliche übernehmen somit, teilweise unbewusst oder ungewollt, die Rolle von Mediatoren resp. Vermittlern zwischen den Kulturen. Um nicht „zwischen“ diese Kulturen zu fallen, d. h. einen Identitätsverlust resp. eine doppelte Identität und damit eine Orientierungslosigkeit zu erleiden, müssen sie die unterschiedlichen Werte erfassen und individuell bewerten können. Eine wichtige Rolle in dieser Unterstützung fällt hier den Lehrkräften der Schulen zu, ebenso müssen auf politischer (kommunaler) Ebene die Eltern und Familien in dieser Thematik und ihren Problempunkten sensibilisiert werden.

Im Schulalltag von grosser Bedeutung ist der Kontakt zwischen Eltern und Lehrerschaft. Hier geht es darum, die Kulturunterschiede kennenzulernen, zu verstehen und das Verständnis füreinander zu fördern, und zwar nicht nur bezüglich verschiedener Nationalitäten oder Religionen, sondern auch gegenüber der ggf. weniger bekannten Berufsgruppe der Lehrer und ihrer allfälligen Schwierigkeiten mit der Klasse oder dem Schüler; die eigenen Bedürfnisse und Werte stehen denen der Lehrperson, denen der Schulbehörde und ihres Auftrages, aber auch denen des Schülers resp. der Schülerin gegenüber. Eltern und Lehrkräfte können hier einen grossen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis liefern.

In der Vorbereitung eines solchen Gespräches sind Informationen hilfreich – allenfalls auch aus zweiter Hand: was sind die Vorlieben und Präferenzen des Lehrers ? Diese müssen – da jedes Gespräch auch auf emotionaler Ebene abläuft – mit den eigenen Bedürfnissen verglichen werden können. Einige Lehrer (oder auch Elternteile, Schüler oder jede beliebige Person) schätzt öftere Kontakte, andere seltenere. Ein Lehrer mag besondere Schülergruppen bevorzugen, politische Ansichten stark gewichten, eine starke oder schwache „soziale Ader“ haben etc. Ziel der Elterngespräche ist die ganzheitliche Beurteilung und Förderung des Kindes. Statt sich mit dem dürren Notenbild zu begnügen, sollen die verschiedenen Facetten der Persönlichkeit erfasst werden; wichtige Voraussetzung sind jedoch Motivation und Lernwille auf allen Seiten. Es gilt herauszufinden, warum sich ein Schüler langweilt, unkonzentriert oder hyperaktiv verhält. Um die jeweiligen Ursachen zu identifizieren, braucht es neben einer gut entwickelten Beobachtungsgabe ein feines Sensorium für tiefere innerpsychische und gruppenspezifische Zusammenhänge.

Was in einem Kind (auch einem Erwachsenen!) vorgeht, erschliesst sich uns nur, wenn wir familiäre, kulturelle, charakterliche, biographische und genetische Faktoren in einen Zusammenhang setzen und psychologisch interpretieren. Ein Attribut wie z. B. Faulheit kann auch die Folge einer ungünstigen Klassendynamik, einer schlechten Beziehung zur Lehrperson oder einer momentanen Persönlichkeitskrise sein. Natürlich ist nicht immer eine ganzheitliche, vollumfängliche, spontane und harmonische Zusammenarbeit möglich; es können auch nüchtern, freundlich und korrekt die Beurteilungsraster, individuellen Ziele und Möglichkeiten der Zusammenarbeit erörtert werden – es geht darum, dass Schule und Elternhaus am gleichen Strick ziehen! Ab der Mittelstufe wollen Kinder den Eltern nicht alles verraten, was sie in erleben und fühlen: um eine eigene Identität aufzubauen, brauchen sie eine Subkultur, die sich von der Erwachsenenwelt abhebt. Psychologisch ist es wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen ihre Autonomie im Rahmen offizieller Sozialisationsinstanzen entwickeln können.

 

Im dritten Newsletter werden die vier Schlüsselkompetenzen (oder Schlüsselqualifikationen) beschrieben.  

 

 

Nr. 3, Juni 2001

1. Teil: CICB

Die Gründung einer eigenen Unternehmung ist ein hochineressanter Prozess: nachdem die fachlichen Grundlagen erarbeitet wurden, sind nun Aktivitäten in allen Bereichen des Marketing und der Public Relations gefragt - Kommunikation, um das Unternehmen bekannt zu machen, Netzwerke knüpfen und pflegen sowie erarbeiten, unterhalten und aktualisieren der Kommunikationsmittel.

Ein Meilenstein war im März der Vertrag mit dem Verlag Orell Füssli (einem der grössten Verlage der Schweiz) betreffend der Publikation des ‚Handbuch Interkulturelle Kompetenz’, dessen Manuskript Ende Juni noch ergänzt, aktualisiert und in Zusammenarbeit mit dem Verlag auf den (zumindest vorläufig) definitiven Stand gebracht wurde. Auch hier musste die Zeitplanung etwas verschoben werden: es dauert mindestens ein halbes Jahr, bis das Buch auf dem Markt erscheinen wird, also wird es gegen Ende 2001 soweit sein. Soweit der Absatz im deutschsprachigen Raum erfolgreich ist, wird für 2002 die englische Ausgabe geplant.

Viele Besuche, telefonische, briefliche und Email-Kontakte, einige Kurse und Unternehmensberatung prägten die vergangenen Monate. Ziel ist es, den Bekanntheitsgrad des CICB im Raum Schweiz, Deutschland und Österreich zu etablieren durch Kontakte in erster Linie mit international tätigen Unternehmungen und Organisationen, ebenso Kontakte auf internationaler Ebene im englischsprachigen Raum.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Neben Fachkompetenzen, die weiterhin in hohem Masse erforderlich sein werden, gelten insbesondere die vier unten aufgeführten Schlüsselkompetenzen (oder Schlüsselqualifikationen ) als überfachliche Kompetenzen.

Handlungskompetenz

In der Handlungskompetenz geht es darum, wie man zielbewusst und schrittweise vorgeht, welche Persönlichkeitsmerkmale erforderlich sind, welche Handlungsarten es gibt, welche Verhaltensprobleme und Fehlleistungen auftreten, welche Modellvorstellungen es gibt, wie man sich orientiert, mit der Umwelt auseinandersetzt und auch als Auszubildender Ziele erreicht. Merkmale des handlungsfähigen Menschen sind u. a. zielbewusstes und überlegtes Vorgehen, sicheres Auftreten, Selbstbewusstsein, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz, Flexibilität, Selbständigkeit, die Fähigkeit, strukturiertes Wissen situationsbezogen einzusetzen, konsequentes Denken und Handeln sowie ethische Wertmassstäbe. Folgende Handlungsgrundsätze werden empfohlen:

1.     Zielbewusst methodisch denken, konsequent  handeln und arbeiten; flexibel bleiben, das Ziel aber im Auge behalten

2.     sich und andere begeistern; Freude an der eigenen Leistung haben

3.     nicht nur rational reagieren, sondern auch emotional und mit dem ganzen Körper

4.     als Mensch einfach sein; so die Verhältnisse vereinfachen

5.     Grenzen erkennen und anerkennen; zwischen wichtig und unwichtig, richtig und falsch unterscheiden

6.     das Wesentliche erfassen und in den Mittelpunkt stellen; Prioritäten setzen

Die Handlungskompetenz wird im Idealfall als gemeinsamer Bereich resp. Schnittmenge von sozialer, methodischer und fachlicher Kompetenz gesehen. Es geht also um die Fähigkeit, diese verschiedenen Kompetenzen bewusst einzusetzen und so beispielsweise in der Lage zu sein, persönlichkeitsbezogenes von kulturell begründetem Verhalten zu unterscheiden, die eigene und die fremde Kultur zu analysieren, mögliche Inkongruenzen zu erkennen und damit die Begegnung zwischen Angehörigen unterschiedlich kulturell geprägter Herkunft umsichtig zu gestalten. Damit verbunden ist auch die Anwendung adäquater Methoden und Ansätze, um Begegnungen und Kommunikation zu ermöglichen.

Auf die interkulturelle Kompetenz bezogen geht es bei der Handlungskompetenz um die Fähigkeit, die eigene Kultur und eine fremde Kultur zu analysieren und eine Fremdbegegnung bewusst gestalten zu können.

Methodenkompetenz

In der Methodenkompetenz geht es um die Bereiche Methode (planmässiges, strukturiertes Vorgehen resp. Verfahren, Kreativitätstechniken), Technik (Herstellung und Anwendung zweckbezogener Hilfsmittel), Prozess (Planung, Entscheidung, Organisation, Entwicklung, Kontrolle) und System (Verfahrensweise, sinnvoll gegliederte Anordnung, Einordnung von Bezugsgrössen).

 Die Methoden- und auch die Sachkompetenz bedingt im Blick auf interkulturelle Kompetenz das Wissen um eigene sowie fremde kulturelle Werte und Einstellungen, um die mögliche Relativität von Werten wie etwa Gerechtigkeit oder Solidarität, sowie um globale Verflechtungen und Abhängigkeiten.

Personale Kompetenz

Zur Personalen Kompetenz zählt die Fähigkeit, mit sich selbst umgehen zu können – mit anderen Worten, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und mit den Chancen und Gefahren der Umwelt optimal umgehen zu können.

Auf der Ebene der Personalen Kompetenz oder Selbstkompetenz geht es darum zu erkennen, wie das eigene Ich selbst von kulturellen Werten und Einstellungen beeinflusst wird, welche Muster der eigenen Kultur oder Subkultur das Selbstverständnis bestimmen. Wesentlich ist zudem, für sich selbst die eher persönlichkeitsbedingten Eigenheiten von den kulturell beeinflussten Haltungen unterscheiden zu lernen.

Unter Person verstehen wir ein einzigartiges, eigenwertiges, selbständiges, zielstrebiges Wesen; Träger sozialer Rollen; der mit Selbstbewusstsein und freiem Willen ausgestattete Mensch, der für seine Handlungen Verantwortung übernimmt. Der dynamische Charakter der Person drückt sich aus als Abfolge von Zuständen und Prozessen. Dieser Prozesscharakter zeigt sich darin, dass ein Mensch lebenslang lernt sowie Einstellungen, Verhaltensweisen, Gewohnheiten entwickelt, indem er aufbaut und abbaut, zunimmt und abnimmt, sich neu ausrichtet und orientiert, sich bindet und löst, verinnerlicht und veräusserlicht, emotionalisiert und versachlicht, annähert und entfernt. Trotz dieses lebenslangen Prozesses bleibt ein Mensch auch seelisch immer dieselbe Person, die in ihrem bewussten Teil das Ich als Zentrum hat.

Die Person kann in einen dreischichtigen Aufbau unterteilt werden:

1.     Vitale Schicht: Tiefenperson, Lebensgrund, leiblich-vegetative Funktionen als älteste und tiefste Schicht. Ihr lassen sich die Sinnesfunktionen sowie die Bedürfnisse und Antriebe zur Selbst- und Arterhaltung zuordnen, ebenso die Abschnitte des Zentralen Nervensystems, die sich in der Stammesentwicklung zuerst ausgebildet haben: Rückenmark, spinales Hirn, Stammhirn, die das Trieb- und Instinktleben steuern. Die Vitalschicht ist das Energiezentrum, der Wurzelgrund der Person; sie wirkt sich in alle anderen Schichten hinein. Sie symbolisiert den „Bauch“. Ist sie noch intakt, verfügt der Betreffende über Lebendigkeit und Spannkraft, Temperament, Frische, Schaffensfreude; ein vitaler Mensch lässt sich leicht anregen und setzt Entschlüsse rasch in die Tat um.

2.     Emotionale Schicht als seelische Basis, die eher labile oder stabile Emotionalität; das Unterbewusste oder Unbewusste als tragende, nährende, dynamisch-schöpferische Schicht des seelischen Lebens, aus der auch die Stimmungen aufsteigen. Die emotionale Schicht symbolisiert das „Herz“ oder Gemüt; sie dient zur Orientierung in der materiellen Welt und zum Umgang mit dem eigenen Körper. Dieser mittleren emotionalen Schicht lassen sich psychosoziale Bedürfnisse und ein Teil der individuellen Bedürfnisse zuordnen, und als Teil des Zentralen Nervensystems das Zwischenhirn, in dem sensorische und motorische Impulse automatisch koordiniert, aber auch vegetative Funktionen gesteuert werden, mit dem Limbischen System, Epiphyse und Hypophyse. Die emotionale Schicht entspricht weiterhin dem Begriff des Seelischen ; sie ist der Bereich der beseelten Tiefenperson zwischen vitaler Triebschicht und rationaler Personenschicht. Von ihr werden die Kinder, viele Künstler und Frauen sowie der Typ des Pyknikers beherrscht.

3.     Rationale Schicht, personeller, geistiger Oberbau, Personschicht für Denken, Fühlen, Urteilen, Entscheiden, Wollen, durch die der Mensch sich vom Tier unterscheidet, zur bewussten Lebensgestaltung, für schöpferische Prozesse, zum Streben über sich hinaus und zur Verbindung mit einer unsichtbaren geistigen Welt. Der rationalen Schicht lassen sich individuelle geistige Bedürfnisse zuordnen, physisch die neueren Hirnschichten des Grosshirns (Neocortex), die Voraussetzung für planmässiges, bewusstes Handeln sind. Die oberste Schicht symbolisiert den „Kopf“; sie entspricht dem „Reiter“, der zwar von den unteren Schichten, dem vitalen und emotionalen „Ross“, getragen wird, ihm gegenüber aber relativ frei ist, sich zu entscheiden und zu handeln.

Ein Schichten- bzw. Funktionsabbau ist bedingt durch medikamentöse Einwirkung, Alkoholexzesse, hohes Alter, schwere Verletzungen, geistige Erkrankungen etc. Davon ist vor allem die rationale Personenschicht betroffen; als Folge treten die vitale und die emotionale Schicht stärker hervor; die Triebhaftigkeit wird verstärkt, das Affektleben wird bestimmend, das ethische und ästhetische Niveau sinkt. Die beschriebenen Schichten stehen in ständiger Beeinflussung zueinander; der Schwerpunkt einer Person kann in einer der drei Schichten liegen, z. B. in der Vitalschicht (dem Bereich des Triebhaften) oder in der emotionalen Schicht; in beiden Fällen wird der Verstand weniger stark entwickelt sein. Liegt der Schwerpunkt beim Verstand, hat der Mensch einen entschlossenen, harten Willen und meist wenig Verständnis für die Schwächen anderer. Oft kommt es zu einem „Widerstreit“ der Schichten, z. B. zwischen den Neigungen, der „Stimme des Herzens“, und dem pflichtbewussten Verstand, der „Stimme der Vernunft“. Extreme Spannungen bestehen zwischen dem triebbestimmten, romantisierenden Schwärmer und dem willensbestimmten eiskalten Rechner, dem Rationalisten. Bei der harmonischen Persönlichkeit sind alle Schichten etwa gleichmässig stark entwickelt und wirksam.

Eine Persönlichkeit ist eine begabte, charaktervolle, reife, entschiedene, geschlossene Person mit starker Ausstrahlung (Charisma), die in ihrer Mitte ruht und aus ihr wirkt, die viele gegensätzliche Eigenschaften in sich zur Einheit integriert hat und mit sich identisch ist. In der Umwelt kann sie sich angemessen behaupten, sich ihr aus Einsicht aber auch anpassen; ausserdem kann sie zwischen den Gegensätzen ausgleichen, die sich in der Gesellschaft und in ihren Beziehungen im sozialen Umfeld ergeben. Sie ist fähig, Aufgaben aus eigener Einsicht, Stellungnahme und Entscheidung selbständig und selbstverantwortlich zu bewältigen und für sich, ihre Mitmenschen, den Arbeitgeber und die Gesellschaft hohe Leistungen zu erbringen.

Der Weg zur Persönlichkeit besteht in der Weiterentwicklung der Person zur Selbst-Stufe; das Selbst ist die höchste Instanz im Menschen, der Wesenskern der Person , ihre Mitte, mit der alle Funktionsbereiche verbunden sind und von wo aus sie einheitlich gesteuert werden. Das unterhalb der Bewusstseinsstufe im Unbewussten liegende Selbst, der innere Mensch, betrachtet distanziert das Treiben des äusseren Menschen, des bewussten Ich, dem das Selbst übergeordnet ist und dessen Verhalten es bestimmen will. Das Selbst als Kern des Ich entwickelt sich, vom Gewissen ermahnt, im Prozess der Selbstfindung und Selbstverwirklichung, der erst der reifen Persönlichkeit gelingt.

Das Selbstwertgefühl als Ergebnis der Selbsteinschätzung vermittelt ein aktuelles, mehr positives oder mehr negatives Werturteil über die eigene Person, die eigene Leistungs- und Erlebnisfähigkeit sowie über Zustand und Funktion der Organe und des Organismus; es beeinflusst die Stimmung, das Wohlbefinden und Verhalten und bestimmt die natürliche Selbstsicherheit. Wer davon erfüllt ist, kann auf Imponier- und Fassadentechniken verzichten, weil er über genügend innere Stärke verfügt. Er kann sich gut beherrschen, seine Handlungsimpulse zügeln, seine Emotionen kontrollieren. Getrübt und geschwächt werden kann das Selbstwertgefühl durch Beschämungserlebnisse, nicht verarbeitete frühere Kränkungen, Vergeltungsdrang, Rachegelüste, ebenso durch den Vergleich mit bevorzugt erscheinenden Personen.

Die Personale Kompetenz bedingt also, auf die interkulturelle Kompetenz bezogen, die Erkenntnis, wie man selbst von kulturellen Werten und Einstellungen beeinflusst wird, welche Muster und welche Subkulturen der eigenen Kultur das Selbstverständnis ausmachen.

Soziale Kompetenz

Soziale Kompetenz ist die Fähigkeit eines Mannes oder einer Frau, mit anderen Personen beiderlei Geschlechts aus allen gesellschaftlichen Schichten angemessen umgehen zu können. Über soziale Kompetenz verfügt ein Vorgesetzter oder Mitarbeiter, der im Spannungsfeld von Anpassung und Behauptung, Pflicht und Neigung, als verantwortungs- und selbstbewusste, originelle Persönlichkeit unternehmerisch denkt, spricht, handelt, und in sozialer Einstellung kooperativ, zielstrebig und nutzbringend mit anderen Persönlichkeiten zusammenarbeitet. Er ist einfühlungsfähig, verständnisvoll, selbstkritisch, kommunikations-, kontakt- und beziehungsfähig und verhält sich partnerschaftlich, umsichtig, vorurteilsfrei, kompromissfähig, tolerant und fair.

Soziale Kompetenz zu entwickeln bedeutet, sich in bestehende Beziehungen einfügen zu können. Es gilt, die unausgesprochenen Regeln und die Dynamik einer Gruppe zu verstehen.

Neben der Identität und der Personalen Kompetenz ist die Emotionale Intelligenz Voraussetzung für die Sozialkompetenz. Sie steht in gegenseitiger Abhängigkeit zur emotionalen Kompetenz. Die Weiterentwicklung sowohl kognitiver als auch emotionaler Kompetenz befähigt, füreinander Achtung und Vertrauen zu empfinden und zu signalisieren, Sach- und emotionale Ebene zu unterscheiden und situationsangepasst handeln oder führen zu können. Nonverbale Signale (Gesicht, Blickkontakt, Tonfall, Körperhaltung, Gestik etc.) können kontrolliert und situations- resp. kulturgerecht eingesetzt werden; man achtet darauf, wie man auf andere Personen wirkt. Emotional intelligente Personen lassen bei sich alle Emotionen zu, auch negative, halten sie aber unter Kontrolle.

Manche Menschen sind schon jung fähig, nicht nur ihre eigenen Emotionen zu erkennen und zu deuten, sondern auch die Emotionen und sozialen Signale anderer Personen und deren Motive. Sie können darauf richtig reagieren und spontan eine Beziehung herstellen. Es fällt ihnen leicht, eine Gruppe zu organisieren und deren Aktivitäten zu koordinieren, sie können vermitteln, Lösungen aushandeln, die Entstehung von Konflikten verhindern oder bestehende Konflikte lösen, sind verlässliche Geschäftspartner, Freunde, Lebens- und Ehepartner. In einen Mitmenschen können sie sich hineinversetzen und vorübergehend dessen Standpunkt einnehmen; ihre Mitmenschen fühlen sich von ihnen verstanden und vertrauen ihnen.

Auf die interkulturelle Kompetenz bezogen geht es bei der Sozialkompetenz um die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, Widersprüche und Konflikte in Interaktion und Kommunikation kulturadäquat auszutragen sowie Empathie für das fremdkulturelle Individuum zu entwickeln.

 

Im nächsten Newsletter geht es um Ethik und Moral in einer globalen Welt 

 

 

Nr. 4, Dezember 2001

1. Teil: CICB

„Das Kind lernt laufen”: mit Geduld, einer gesunden Portion Beharrlichkeit, aber auch Offenheit für Veränderungen sind Ziele am ehesten zu verwirklichen. Nach der Gründung des CICB dauerte es etwa ein Jahr, bis ausreichend Netzwerke geknüpft sowie Bekanntheit, Marktpräsenz und Glaubwürdigkeit erreicht waren.

Die wichtigsten Eckdaten der vergangenen Monate: Tagesseminar im Auftrag der ABB-University (Teilnehmende: Leiterinnen und Leiter verschiedener Training-Center des ABB-Konzerns); Verträge mit der ETH Zürich (Eidg. Technische Hochschule, ETH-Zentrum für Unternehmenswissenschaften BWI) für zwei Seminare am 16. Mai und 14. November 2002 (Kursbeschrieb und Anmeldungen hier); Vereinbarung für Lehrtätigkeit (vorerst zwei Seminare im ersten Halbjahr 2002) an der Hochschule für Wirtschaft Luzern; Vereinbarung für Referat an der Schweizerischen Marketing- und Verkaufsleitertagung in Interlaken im März (Tagungsbeschrieb und Anmeldung hier). Weitere Lehrtätigkeiten (u. a. Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich) sowie Referate und Publikationen sind im Gange resp. geplant.

Ein strategischer Schritt war mein Eintritt in die Geschäftsleitung der A+O Career Group. Diese Unternehmung ist an neun zentralen Standorten in der Schweiz vertreten und bietet auf hohem Niveau die Dienstleistungen Assessment, Outplacement, International Assignment und Coaching an. Management und Consultants (zur Zeit 20 Fachleute aus verschiedenen Bereichen) arbeiten grossteils, wie ich, auf Mandatsbasis, was Unabhängigkeit, Praxisbezug und Professionalität sicherstellt. Es ist eine längerfristige strategische Zusammenarbeit zwischen CICB und A+O Career Group geplant, wobei die beiden Unternehmungen jedoch selbständig bleiben.

Mit dem ILA Institut für Laufbahn und Arbeit entstand auch eine fruchtbare Zusammenarbeit, vor allem in den Bereichen Psychodiagnostik und Human Resources.

Das definitive Erscheinungsdatum für den ersten Band des Handbuch Interkulturelle Kompetenz wurde festgelegt auf den 15. Februar 2002. Aus Marketing- und verlagstechnischen Gründen sowie im Hinblick auf bessere Aktualisierungsmöglichkeiten entschied der Verlag zusammen mit mir, das Werk in zwei Bänden herauszugeben (je ca. 300 Seiten); das Erscheinen des zweiten Bandes ist auf Anfang 2003 vorgesehen, später die englische Übersetzung (abhängig unter anderem vom Verkaufserfolg).  

 

2. Teil: Fachbereiche

Ethik und Moral in einer globalen Welt

Moral und Ethik basieren auf sozialen Wertordnungen, die von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren. Das ausgehende 20. Jahrhundert behauptet weitgehend, alle Menschen seien gleich. Noch das vorhergehende Jahrhundert hatte genau das Gegenteil vertreten und damit beispielsweise die moralische Zulässigkeit der Sklavenhaltung untermauert. Doch weder stimmt es, dass es Herren-  und Untermenschen gibt, noch ist es richtig, dass wir alle gleich sind; im Detail lässt sich selbst anhand von genetischem Material jedes einzelne Individuum präzise unterscheiden. Die Gleichheit gilt jedoch auch für den sozialen Bereich nicht, dem letztlich die Normen und Werte einer Person entspringen: eine andere Sozialisation in einer anderen Gesellschaft bringt Unterschiede in den Wertmustern mit sich. Nur über die Klärung der Unterschiede und Ähnlichkeiten ist ein Erfassen einer eventuellen Basis gemeinsamer Ethik und Moral möglich. Der Ansatz, der sowohl Ähnlichkeiten wie Unterschiede in Betracht zieht, hat nichts mit einer Festschreibung dieser Unterschiede zu tun, sondern muss als Ausgangsbasis für eine grundsätzliche Diskussion und eine Bestimmung des allgemein Menschlichen gesehen werden. Diesem kann man schwerlich näherkommen, solange man nicht den Schritt zum Kulturrelativismus und darüber hinaus wagt.

Sowohl Moral als auch Ethik siedeln sich im Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung und Gesellschaftsbezug einer Person an. Beide Extrempositionen, Autismus und Altruismus, sind insofern fragwürdig, als sie eine der beiden konstitutiven Komponenten der Persönlichkeit verleugnen. Ohne Regeln für ein Zusammenleben und Zusammenarbeiten, ohne Wertvorstellungen über diese Beziehungsverhältnisse und über die Richtung, in der sich Person und soziale Umwelt zu entwickeln haben, ist das reibungslose Funktionieren einer Gemeinschaft undenkbar. Eine globale Ethik auf dieser Grundlage entwickeln zu wollen, scheitert an der Tatsache, dass die verschiedenen Gesellschaften dem Individuum unterschiedliche Freiräume zugestehen!

Soweit Humanismus als „Menschlichsein“ aufgefasst wird (also nicht auf den Begriff der griechischen und römischen Antike sowie den darauf aufbauenden geistesgeschichtlichen Hintergrund Europas bezogen), müssen die Bedingungen eines möglichst weltweit funktionierenden Humanismus deutlich über blosse Toleranz von Andersartigkeit hinausgehen. Ein echter, auf eine globale Welt anwendbarer Begriff des Humanismus müsste die Akzeptanz des Fremden zur Basis haben – im Extremfall gar die Akzeptanz des Unverständlichen! Die Ziele eines global zu verstehenden Humanismus wären zwar ähnlich oder sogar gleich wie die des auf antiken Grundlagen aufbauenden Humanismus, nämlich die eines geistigen, sittlichen und ästhetischen Menschseins. Nur sind in dieser globalen Sicht der Welt die kulturellen Unterschiede in den Auffassungen von geistig, sittlich und ästhetisch zu berücksichtigen. Die Werteforschung ist sich seit längerer Zeit einig, dass die Grundwerte des Menschen weltweit die gleichen sind, dass aber die – hierarchisch abgestuften – Wertordnungen völlig verschieden sein können. Dies zeigt sich gerade in der Ästhetik (wörtlich aus dem griechischen: „Wahrnehmung“), die je nach Zivilisation oder Individuum unterschiedlich interpretiert wird und auch einen unterschiedlichen Stellenwert einnimmt.

Weltweit gleiche Werte können aufgrund abweichender Wertordnungen auch situativ anders zur Anwendung kommen: asiatisches Denken ist weitgehend Prozessdenken , das die Wirklichkeit nicht in einer relativ statischen Abfolge von Momentaufnahmen sieht, sondern als ablaufenden Film begreift. So werden auch Moral und Ethik anders interpretiert: ein Wert ist dann nicht mehr etwas, das absolut richtig und ewig gültig ist, sondern wird zu etwas, das hier und heute gilt, aber morgen durchaus anders sein kann. Die für das Menschsein geforderten stabilen Grundlagen können nicht mehr in einem logisch-rationalen Denkmuster gefunden werden, sondern müssen in den einzigen noch existierenden stabilen Verhältnissen angesiedelt werden. Die fliessende Wahrnehmung der Wirklichkeit findet ihre Stabilität nur noch im persönlichen Beziehungsnetz, was dessen Wichtigkeit in allen Gesellschaften erklärt, in denen die Gruppe im Vordergrund steht, wie beispielsweise in Ostasien oder in Afrika . Eine allgemeingültige Ethik gibt es unter diesen Umständen gar nicht mehr; Moral und Ethik orientieren sich an dem in einer Personenbeziehung erreichten Vertrauensgrad!

Neben Individual- und Kollektivgesellschaft ist auch zwischen grundsätzlich-umfassender und pragmatisch-situativer Anwendung ethischer Werte zu unterscheiden. Während ein individualgesellschaftliches Muster Moral und Ethik als etwas Absolutes versteht, werden diese in einem Kollektivmuster als etwas Situatives gesehen. Aus westlicher Sicht wird dieser Ansatz sehr leicht mit Opportunismus verwechselt. Selbstverständlich gibt es auch in einer Kollektivgesellschaft Opportunisten, doch wer das Phänomen als opportunistisch beschreibt, verkennt einen Ansatz, der sich auf signifikant andere Weise mit der Realität auseinandersetzt.

Weder die westliche Seite, die individuelle Freiräume betont, noch die arabische, afrikanische oder asiatische, welche die Einordnung des Individuums in die Gemeinschaft verlangt, ist umfassend. Sowohl Kollektiv- wie Individualgesellschaften haben Anstrengungen zur Verbesserung ihres sozialen Umfeldes zu unternehmen. Die Globalisierung erscheint hier als die Chance, kulturvergleichend die Stärken und Schwächen der eigenen Gesellschaft auf dem Hintergrund eines anderen Gesellschaftsmusters in einem neuen Licht zu sehen. Kulturrelativismus ist dabei ein notwendiger Anfang – in der Folge geht es darum, die grundsätzlichen Werte und Normen herauszuarbeiten, die tatsächlich globalen Charakter haben. Dabei müssten Kollektivgesellschaften auf eine Ausweitung der Rechte und Freiheiten des Individuums hinarbeiten, und die westlichen Gesellschaften auf eine Neubewertung der Gemeinschaft, die spätestens seit der Aufklärung der Geborgenheit verlustig gegangen ist. Diesen Weg im Einklang mit Toleranz und Achtung bestehender und gewachsener Wertauffassungen beschreiten zu können, wird eine wichtige und herausfordernde Aufgabe der näheren Zukunft sein.

 

Veränderungen im Wertverständnis und globales Konfliktpotential werden die Themen im Fachbereich des nächsten Newsletter sein.   

 

 

Nr. 5, Februar 2002

1. Teil: CICB

Die Zusammenarbeit mit perSens („Der Weg zur Einzigartigkeit”) führte zu einem sehr interessanten Ziel: das Intensiv-Seminar Einzigartigkeit als Wettbewerbsvorteil im interkulturellen Umfeld. (Weitere Informationen und Anmeldung hier). Dieser ausführliche Kurs führt während 13 Tagen (excl. Projektarbeiten, verteilt auf drei Module während fünf Monaten) umfassend in die Themenbereiche Interkulturalität sowie Einzigartigkeit ein und vermittelt sowohl alle wichtigen theoretischen Grundlagen als auch praktische Erfahrungen, um die Erfolgspotentiale unternehmerischer sowie persönlicher Einzigartigkeit im globalen Umfeld optimal zu nutzen. Die praktische Umsetzung erfolgt unter anderem während einem mehrtägigen Aufenthalt in Singapur. Gastreferent im dritten Modul ist Prof. Dr. Gerald Delilkhan, Mitbegründer des Swiss Management Forum St. Gallen. Mit ihm verbinden mich viele gemeinsame Interessen (wir kennen uns seit meinem Betriebswirtschafts-Studium 1994), und ich freue mich sehr über dieses gemeinsame Resultat.

Ein regelmässiger Erfahrungsaustausch erfolgt mit Cultural Diversity und es ist eine Zusammenarbeit geplant betreffend einzelner Kurse, u. a. in der Vorbereitung und Begleitung von Auslandeinsätzen. Dieses Tätigkeitsfeld ist auch Grundlage der Zusammenarbeit mit ASN Services for Expatriates.

Aktuell sind, wie schon im letzten Newsletter erwähnt, die Erscheinung des ersten Bandes des Handbuch Interkulturelle Kompetenz (in jeder Buchhandlung erhältlich; Online-Bestellungen bitte hier), die eintägigen Seminare am 16. Mai und 14. November 2002 an der ETH Zürich (Informationen und Anmeldung hier) sowie die Schweizerische Marketing- und Verkaufsleitertagung in Interlaken vom 20. bis 22. März 2002 (Informationen und Anmeldung hier).

Die regelmässige Mitwirkung resp. Teilnahme an Tagungen, Seminaren und Interessengemeinschaften gewährleistet den aktuellen Überblick sowie eine fruchtbare Zusammenarbeit mit unzähligen Menschen, Organisationen und Unternehmen.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Veränderungen im Wertverständnis und globales Konfliktpotential

Auffassung und Interpretation von Werten sind nicht nur von Kultur zu Kultur unterschiedlich, sondern sind auch innerhalb der Kulturen einem ständigen Wandel unterzogen. Ein Beispiel hiefür ist das Rechtsempfinden, das die (zeitlich verzögerte) Anpassung der Gesetze und Verfassungen nach sich zieht.

Grundwerte und Bindungen, wie z. B. die Familie, müssen jedoch im Wandel weiterbestehen. Solche freigewählte Bindungen können nicht gegen die persönliche Freiheit ausgespielt werden. Ähnliches gilt hinsichtlich der Gesellschaft, die als Gefüge ein Ort der Freiheit und der Bindung, der Verantwortung und Solidarität ist. Denn ohne eine bestimmte Bindung, die durch das Gemeinwohl bestimmt wird, kann sich niemand in einer Gesellschaft verwirklichen.

Das Empfinden und Definieren von Werten sowie die Meinungsbildung allgemein wird beeinflusst von Organisationen, Gruppierungen und Unternehmungen. Normalerweise verändert sich das Wertverständnis langsam und über grössere Zeiträume hinweg; es kann aber ausserordentlich stark durch Ereignisse beeinflusst werden – dies wurde nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf New York und Washington deutlich. Freiheit und Sicherheit sind Werte, die von fast allen Menschen angestrebt werden und insbesondere von den westlichen Zivilisationen (besonders ausgeprägt in den USA) als Grundwerte und Grundrechte empfunden werden. Meinungsfreiheit und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit waren bis zu diesem Datum eine Selbstverständlichkeit, die selten hinterfragt wurde.

Seit dem Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums 1989 waren nur noch wenige deutliche Feindbilder auszumachen. Konflikte und Gefahrenherde wurden zwar erkannt und, wie im Zweiten Golfkrieg oder in Ex-Jugoslawien, bekämpft, doch wurden sie nicht als globale Bedrohung wahrgenommen, genauso wenig wie religiöser Extremismus (z. B. in Afghanistan oder Ultraorthodoxe in Israel) und Unterdrückung von Volksgruppen, Kriege und Terrorakte (Naher Osten, Nordirland, ETA in Spanien).

Nach den Terror-Attacken vom 11. September und auch die dadurch ausgelösten Nachahmungstaten wird bereitwillig auf die Freiheit, wie man sie kannte, verzichtet: Kontrollen, Durchsuchungen, Datenschutz erscheinen in ganz anderem Licht. Sicherheit, insbesondere in (lebens-) bedrohlicher Situation, wird über Freiheit gestellt.

Im wirtschaftlichen Umfeld ist man sich zwar des Wechsels von Konjunktur und Rezession bewusst. Doch haben die in diesem Ausmass bisher unvorstellbaren Terroranschläge starke negativen Auswirkungen auch in diesem Bereich. Die Problematik von Wirtschaft und Macht, in Verbindung mit einer unvorhersehbaren Eigendynamik, trat am Beispiel der gescheiterten Schweizer Luftfahrtgesellschaft Swissair zutage. In diesem Unternehmen, das weltweit einen ausgezeichneten Ruf genoss, versagten sämtliche sowohl rechtlichen als auch ökonomischen Kontrollmechanismen: eine jahrelange falsche Strategie, Verwaltungsrat, Revisionsstellen, Beratungen etc. erwiesen sich als ungenügend resp. unfähig mit dem Resultat, dass der Schweizer Staat (zusammen mit der Wirtschaft) , um Zehntausende von arbeitslosen Angestellten und einen enormen volkswirtschaftlichen, aber auch politischen Schaden zu verhindern, mehrere Milliarden Franken ohne Aussicht auf Rückzahlung einschiessen musste. Obwohl die freie Marktwirtschaft erwiesenermassen die bestmögliche Wertschöpfung ermöglicht, sind die Partikularinteressen der beteiligten Parteien (Banken, Verwaltungsrat, Staat, wirtschaftliches Umfeld) so verschieden, dass sich eine solch verhängnisvolle Eigendynamik entwickeln konnte.

Ein Umdenken, ein Wandel der Werte und Denkweise, ist somit in sehr vielen Bereichen im Gange: ehemalige, vermeintlich sichere Werte verwässern oder lösen sich gar auf, eine Unsicherheit und Orientierungslosigkeit macht sich breit, ja das (mentale) Weltbild kann in Frage gestellt werden. Eine grosse Rolle spielen hier Symbole – einerseits wenn diese zerstört werden (World Trade Center in New York, Pentagon in Washington, Swissair in der Schweiz), gerade weil diese besondere Werte verkörpern. Symbole werden aber auch als mentale und psychische Orientierungspunkte benötigt, und hier besteht oft die Gefahr des Schwarz-Weiss-Malens und damit der Beeinflussbarkeit. Mit definierten Gesichtern und Namen können Emotionen besser gesteuert werden: „Bush = gut“, „bin Laden = böse“ in Amerika, und in der Schweiz wurde der als Krisenmanager leider doch gescheiterte letzte CEO der Swissair selbst von den Gewerkschaftsmitgliedern als letzter Hoffnungsträger hochgejubelt (obwohl er tausende von Kündigungen aussprechen musste), während der Präsident einer Grossbank, die als Investor (aber nicht darüber hinaus) auftrat, als Inbegriff der bösartigen Finanzmacht gebrandmarkt wurde. Differenzierung ist gerade in solchen Situationen besonders wichtig. Andererseits müssen sich gerade Meinungsbildende und Entscheidungsträger ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein: eine einwandfreie Kommunikation und der „Blick für’s Ganze“ sind auf allen Stufen wichtig, an ihren (möglichen) Auswirkungen gemessen aber vor allem bei den Entscheidungsträgern (dies gilt vor allem für den Bereich „Public Relations“).

Wertveränderungen, besonders die sehr kurzfristigen, können sowohl bei Menschen, die ihre Stellung in der Gemeinschaft und in ihre Selbstsicherheit noch nicht ausgebaut haben (Kinder, Jugendliche, sozial Benachteiligte), als auch bei Personen, die in grosser Abhängigkeit zu deren Werten stehen, grosse, teils irrationale Ängste und Traumata auslösen.

Chancen bestehen jedoch auch hier, wie in allen Veränderungsprozessen. Je umwälzender die Veränderungen, desto höher auch die Anforderungen an die eigene psychische Stabilität und die Fähigkeit, Visionen auf der Basis eines realistischen Optimismus zu entwickeln. Durch das Auftreten von erschreckenden, ja traumatischen Erlebnissen werden viele aus einer Eigenwelt herausgerissen, was aber auch (ggf. mit professioneller Hilfe) eine Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten bewirken kann und soll, wenn man merkt, dass man grundsätzlich gefordert ist. Solche Erlebnisse und die Auseinandersetzung mit ihnen sensibilisieren für politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge.

 

Die aktuellen Themen Religion, Staat und Terrorismus werden uns auch im nächsten Newsletter beschäftigen.  

 

 

Nr. 6, Oktober 2002

1. Teil: CICB

Seit dem letzten Newsletter ist schon einige Zeit verstrichen, hauptsächlich weil der Update für das Webdesign-Tool dieser Internet-Seite (NetObjects Fusion) später als erwartet ausgeliefert wurde. Auch wurden verschiedene Korrekturen und Verbesserungen auf der Internet-Seite vorgenommen, und es stehen neue Computer bei CICB sowie teilweise bei Provider und Support.

Die vergangenen Monate verliefen sehr intensiv und es ist erfreulich feststellen zu können, dass das CICB auf dem richtigen Wege ist! Sehr erfolgreich sind die Partnerschaft und die Aktivitäten mit A+O Career Group, ebenso Assessments für eine Kaderposition bei Pro Senectute. Die an der Hochschule für Wirtschaft in Luzern durchgeführten Seminare führten zu einem Lehrauftrag für Thomas Baumer (Chairman des CICB) ab Sommer 2003.

Das erste Seminar Einzigartigkeit als Wettbewerbsvorteil im interkulturellen Umfeld sowie das von der ETH Zürich öffentlich ausgeschriebene Seminar mussten verschoben werden, was mit der aktuell schwierigen Wirtschaftslage sowie mit vermehrt notwendigem Werbeaufwand begründet werden kann.

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Partner- Unternehmungen, insbesondere mit Dr. Jörg Sorg (perSens), konnte das Leistungsangebot von CICB erweitert werden.

Vom Handbuch Interkulturelle Kompetenz wurden bisher über 1000 Exemplare verkauft, und die Rezensionen sowie die allgemeine Resonanz sind ausgezeichnet.

Im Monat November erfolgen unter anderem Vorträge zum Thema „Expatriierung und Vorbereitung auf fremde Kulturen” (Anlass am 12. November, organisiert von ASN Services for Expatriates) und zum Thema „Zielmarkt Osteuropa: wirtschaftliche und kulturelle Charakteristiken” am „Swiss Export Management Forum 2002” (7. und 21. November, organisiert vom Verband Verband Swiss Export; Informationen und Anmeldung hier). Im Jahrbuch Zukunftschancen 2003, das allen Hochschulabsolventen in der Schweiz ausgehändigt wird, erscheint ein redaktioneller Beitrag des CICB.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Religion, Staat und Terrorismus

Den Gefahren von (religiösem) Fanatismus und Extremismus kann nur begegnet werden, wenn erstens Religion und Staat klar getrennt werden. Den Bürgern muss, in einem Gesellschaft und Kultur angepassten Rahmen, Religions- und Meinungsfreiheit gewährleistet werden. Weiter ist es unumgänglich, dass Entwicklungshilfe nicht als Almosen, sondern als Investition im eigenen Interesse gesehen wird: eine zumindest minimale wirtschaftliche Sicherheit und Ausbildung für alle Bevölkerungsschichten verhindert weitgehend die extreme Armut und Aussichtslosigkeit (Empfinden der sinnlosen Existenz ohne Zukunft), die den Nährboden für Beeinflussung und Fanatismus darstellt.

„Uns ist alles erlaubt“, erklärten die Agenten und Promotoren der kommunistischen Tscheka schon kurz nach der russischen Oktoberrevolution, und machten mit ihrer Parole Ernst, wo immer sie die Feinde der Bewegung witterten. Ähnliche Gedanken der absoluten Selbstermächtigung dürften jene Täter hegen, die den beispiellosen Terroranschlag auf New York und Washington planten und durchführten. Die Katastrophe war an sich nicht unvorstellbar – strategisch-hypothetische Szenarien und schliesslich auch viele Science-Fiction- und Horror-Filme hatten sie in gewisser Weise vorweggenommen. Doch dass es, und in diesem Ausmass, wirklich Realität werden könnte, überstieg das Vorstellungsvermögen nicht nur der breiten Bevölkerung, sondern auch der Geheimdienste, Militärs und Politiker.

Wer bereit ist, solches zu vollbringen, hat die Grenzen von Scham und Ethos längst und rigoros überspielt. Das Wollen ist total geworden. Es zieht seine Energien aus einer fürchterlichen Überzeugung: dass es auf Menschenleben und Menschenleiden in keinem Mass mehr ankommt, wenn es gilt, sein Ziel zu erreichen „Wenn die Opfer Feinde sind, haben sie den Tod verdient; wenn es keine Feinde trifft, bekommen sie die Ehre als Märtyrer“ – mit diesen Worten rechtfertigen die Terroristen tausendfachen Tod sowie unermessliches Leid im Sinne ihrer Sache, die über allem steht. Ihre Überzeugung und ihre Ziele rechtfertigen schlichtweg alles. Das Ziel heisst in diesem Fall nicht weniger als Tod und Vernichtung der Zivilisation und ihrer Symbole auf dem Boden des nordamerikanischen Kontinents – der Welt soll sicht- und fühlbar werden, wozu eine Idee imstande ist.

Mag diese Idee in der Wirkung den Nihilismus aufrühren und damit eine vermeintlich nihilistische Gesellschaft mit dem allzeit möglichen Untergang konfrontieren, so beansprucht sie für sich selbst freilich gerade dessen Gegenteil – nämlich eine Art von allerdings entsetzlicher Hypermoral. Es ist also ein radikal nach innen gewendetes Gewissen, welches zur Vollstreckung ruft – ein Gewissen, das weder zögern noch sich selber im mindesten hinterfragen darf. Ein Gewissen, das nur eine einzige Wahrheit duldet, unter deren Diktat es überhaupt zu existieren vermag. Rasch kann man daraus ersehen, wie ihm – ex negativo – der Grund erwächst: im Kampf gegen jene Werte, Vorstellungen und Absichten, die seit der Aufklärung das westliche Denken positiv prägen. Vernunft, Toleranz und Gespräch, Menschenwürde und wechselseitige Anerkennung bilden diesem Gewissen den bedrohlichsten Horror, von dem es sich mit Furor und List abstösst.

Neue Aktualität erhielt durch diese Terroranschläge das Werk „Kampf der Kulturen“ von Samuel Huntington. Während die weltweite Allianz gegen die Terror-Netzwerke betont, dass ausschliesslich Terroristen jeglicher Herkunft und deren Helfer bekämpft werden, wird die These des Kulturkampfes interessanterweise vor allem von den meist religiösen Fanatikern aufgenommen mit der Absicht, weiter Angst und Unsicherheit zu säen und die Allianzpartner gegeneinander aufzubringen. So schwierig diese oft unabhängig voneinander operierenden und teilweise auch verschiedene Ziele verfolgenden Netzwerke auch zu bekämpfen sind, führt wohl kein anderer Weg daran vorbei, die (nicht nur westlichen!) Werte von Freiheit, Vernunft und Toleranz zu verteidigen – jedoch hauptsächlich mit der Unterstützung und weitestmöglichen Gleichstellung der Entwicklungs- und Schwellenländer. Langfristig wird dies nur möglich sein, wenn weltweit eine Minimal-Toleranz (nicht Vermischung!) betreffend ethischer und religiöser Grundwerte akzeptiert und ratifiziert wird (auf der Basis der These des „Weltethos“ von Hans Küng) und deren Einhaltung von einer supranationalen, legitimierten Kontrollinstanz (auf der Basis der Vision des ehemaligen US-Präsidenten George Bush sen. nach dem Zweiten Golfkrieg) überprüft und durchgesetzt werden kann.

 

Der Fachteil des folgenden Newsletters befasst sich mit dem Thema Fanatismus und Wahrheit.  

 

 

Nr. 7, März 2003

1. Teil: CICB

An dieser Stelle soll den Unternehmen ivision (Grafik, Fotografie, digitale Bildgestaltung) sowie Oneweb (Webhosting und -design, Informatik) für die sowohl professionelle als auch freundschaftliche Zusammenarbeit gedankt werden.

In der ersten Jahreshälfte 2003 gibt es für CICB folgende Schwerpunkte: Seminare bei SIG Combibloc International Ltd. (Neuhausen) und Erstellung eines Weiterbildungskonzeptes für „A+O Academic Talents” (Tochtergesellschaft der A+O Career Group) einschliesslich Durchführung von Assessments, sowie Vorbereitung einiger Kursmodule in englischer und französischer Sprache.

Vom 3. bis 5. April Teilnahme an der Jahrestagung des DNWE Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik und Co-Leitung des dortigen Workshops „Kulturverträglichkeit: Nachhaltigkeit als Funktion der Werte” (Informationen und Anmeldung hier). Kontakte und Informationsaustausch mit Nestlé (Unternehmenskommunikation und Management Recruitment) sowie mit Frau Nelly Wenger (Generaldirektorin Expo 02).

CICB wurde Mitglied in der weltumspannenden SIETAR Society for Intercultural Education, Training and Research und nimmt am SIETAR-Europa-Kongress vom 21. bis 24. Mai in Budapest (Ungarn) teil.

Im Partnerunternehmen A+O Career Group führt Thomas Baumer seit September 2001 unter anderem Assessments (Einzel- und Gruppenassessments, Assessment-Center, Development-Center, Analysen und Gutachtenerstellung), Coachings sowie Outplacement-Beratungen durch (in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache) für folgende Unternehmen: Alstom, ATAG Asset Management, Atos Origin, Aventis, Axa Winterthur, Axima, Basler Versicherungen, Baxter Healthcare Ltd., Bell AG, Berna Consult, Bosch AG, Bürgerspital Basel, C&A, Compuware, Derendinger Gruppe, Deutsche Bank, DPD, Ernst&Young, ETH, EWB, Fritz Haug AG, General Electrics (GE Money), Globus, Hekatron, Helsana, IBM, ITW Decorating, Jean Frey AG, John Deere, Kardex AG, Leica, Mepha Pharma AG, Morgan Stanley, National Versicherung, NOK, Nokia, Otto Fischer AG, PAX-Versicherung, Perot Systems, Pfister, Philips, PriceWaterhouseCoopers, Radio DRS, Reuters, Roche Diagnostics, Sandvik, Sarasin, SBB, Schindler AG, Schweizer Fernsehen, Schweizer Luftwaffe, Scania, Siegfried Holding, Sika AG, SIS Group, Sony Ericsson, Sunrise, Swiss Life, Swisscom Fixnet, Swisscom Mobile, UBS, Unisys, Universität Basel, Winterthur Versicherungen, Zimmer Orthopedics, Zschokke.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Fanatismus und Wahrheit

Im Zweiten Weltkrieg wurde den japanischen Kamikaze-Piloten grosse Ehre zugesichert: Der Kamikaze trat in dem Moment, da er sich gegenüber seinem Kollektiv als zur Tat Entschlossener erklärte, aus der Welt der gewöhnlichen Sterblichen heraus. Es herrschte ein vielfältiger, meist anonymer Druck, der dazu führte, dass vor allem sehr sensible Menschen sich zum extremen Akt der Selbstaufopferung motiviert sahen. Es wurde konsequent die Überzeugung genährt, dass selbst das schlichte Überleben eine Schande, ein Akt der Feigheit sei. – Der Kamikaze bewegte sich bis zu seinem letzten Einsatz in einem seltsamen Gemenge von Korpsgeist, von absoluter Selbstaufgabe für das Kollektiv und einem gleichzeitigen Hochgefühl des Auserwähltseins. Letzteres mündete in einen extremen Egoismus, in dem auch intensivste emotionale Bindungen beispielsweise an die Familie oder andere rationale Bedenken gegen den Sinn der Suizidaktion die dem Untergang geweihten nicht mehr von ihrer Tat abzuhalten vermochten.

Dieses Gefühl des Auserwähltseins wird bei den meisten Selbstmordattentätern genährt und hochgehalten, resp. die Rekrutierenden vermitteln es ihnen bewusst aus meist politischen und/oder religiösen Gründen. In islamistischen Kreisen wird den Selbstmordattentätern nach Ihrem Tod als Märtyrer ein Platz neben Allah und eine grosse Anzahl Jungfrauen „zugesichert“, ebenso das ehrenhafte Gedenken auf Erden, und den Angehörigen werden oft Geldbeträge ausbezahlt. Die Ehre, als Märtyrer zu sterben und undifferenzierte Feindbilder werden so auch schon Kindern und Jugendlichen in beängstigender Weise vermittelt.

Obwohl die soziokulturellen und zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen sehr verschieden sind, deutet die Tatsache, dass sich Menschen zu Kamikaze-Aktionen unter dem Staatsshintoismus ebenso wie in einem hinduistischen Umfeld oder von islamischen Fanatikern verführen lassen, auf Verhaltens- und Denkmuster hin, die letztlich keine Grenzen kennen. Der entscheidende Einfluss geht vom sozialen und politischen Umfeld aus, wobei traumatische Erfahrungen und ein tief verletztes Ehr- und Gerechtigkeitsgefühl besonders leicht auszubeuten sind. Da bei diesem extremen Akt die üblichen Hierarchien ausser Kraft gesetzt sind, mag es den Drahtziehern lange Zeit gelingen, die Verantwortlichkeiten zu verwischen, es sei denn, es lassen sich konkrete Indizien wie die Übergabe von Sprengstoff an den Kamikaze, dessen Training oder gar Bezahlung beibringen.

So wie der Begriff der Wahrheit kulturell sehr verschieden geprägt ist, gibt es auch innerhalb einer Kultur Grenzen der Wahrheitsfindung. In der Rechtssprechung geht man deshalb gewöhnlich von einem spannungsgeladenen Abwägen von Zielen des Strafverfahrens aus: neben der inhaltlichen Richtigkeit stehen die Herstellung des Rechtsfriedens und die willkürfreie Einhaltung formaler Garantien für die Prozessbeteiligten, die sogenannte Justizförmigkeit des Verfahrens – Ziele, die generell und im Einzelfall sorgfältig auszutarieren sind. Das Ziel der Wahrheitsfindung tritt oft systematisch zurück im zunehmend relevanten Fall von Absprachen im Strafverfahren, beispielsweise bei Zusicherung von Strafmilderung oder gar Verfahrenseinstellung bei Leistung eines Teilgeständnisses oder Bezahlung einer bestimmten Geldsumme (wie z . B. im Fall der Spendenaffäre des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl). Prozessuale Wahrheit wird hier explizit zur Sache des Konsenses der Beteiligten – entscheidend ist ein Ergebnis, das aus der Sicht der Justiz die notwendige präventive Wirkung entfaltet und mit dem doch alle Beteiligten leben können, weil es sie weniger belastet als ein langes, öffentliches Verfahren. Politische oder wirtschaftliche Interessen haben hier selbstredend, in offener oder verdeckter Weise, Einfluss, was jedoch klar der Unabhängigkeit der Rechtsprechung widerspricht. Wie bei jeder „konstruierten Wahrheit“ steht man somit vor dem Paradox, dass die Konstruktion ihre legitimierende Kraft verliert, wenn dieses Konstruktionselement in den Vordergrund tritt.

Auch wenn nach Jahren neue Erkenntnisse oder Beweise ans Licht treten, haben verfestigte Meinungen oft mehr Gewicht – weil sie von Interessen getragen werden – als Tatsachen. Der Strafprozess bildet letztlich unter zusätzlichen Bedingungen wie knapper Zeit und präventiver Wirkung den heutigen philosophischen Diskurs über „Wahrheit“ in der westlichen Welt ab, über Spielarten „objektiver“ und „konsensueller“ Wahrheitstheorien, aber auch über grundsätzliche Unterschiede zwischen empirischer Wahrheit und normativer Richtigkeit, und bei Letzterer noch über mögliche Kriterien.

 

Mit dem Themenkomplex Ethik und Nationalbewusstsein befasst sich der Fachbereich des folgenden Newsletters.  

 

 

Nr. 8, Juli 2003

1. Teil: CICB

Ein Willkommen an Dr. Jörg Sorg in die Geschäftsleitung des CICB - er ist besonders mit den Bereichen Seminare und Marketing betraut, und ein grosser Teil der angebotenen Seminare werden zusammen mit ihm erarbeitet und durchgeführt. Im Verkauf hat Tobias Schnyder als Sales-Manager die Verantwortung übernommen: willkommen auch an ihn im CICB-Team.

In den vergangenen Monaten wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut A+O (Arbeits- und Organisationspsychologie; ein Unternehmen der A+O Career Group) Assessment- und Development -Center durchgeführt, unter anderem auch mit PriceWaterhouseCoopers, einer Partnerunternehmung der A+O Career Group.

Im Gespräch ist ein Lehrauftrag an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Offenburg (Deutschland), für die Lehrveranstaltung „Cross Cultural Conflict Management” (30 Lektionen) im zweijährigen Master-Studiengang „Communication and Media Engineering”, in englischer Sprache.

Weiter zu erwähnen sind Vorträge und Vorlesungen bei verschiedenen Instituten und Unternehmungen mit der Aussicht auf engere Beziehungen sowie die fortwährend ausgezeichnete Zusammenarbeit mit A+O Career Group, insbesondere in der Durchführung von Fähigkeits- und Potentialabklärungen in unterschiedlichen Bereichen, ebenso Outplacement- und Coaching-Mandate.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Ethik und Nationalbewusstsein

Ebenso wie das Wertverständnis verändern sich, darauf basierend, im Laufe der Zeit die Antworten auf die klassischen Fragen der Ethik. Einen besonders starken Veränderungsschub verursachen die neuen Technologien (vor allem Gentechnologie und Medizin) und die mit ihnen verbundene Steigerung an Komplexität. Hier können Ethikkommissionen helfen, für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, aber auch für die interessierte Bevölkerung, eine „Auslegeordnung“ bereitzustellen und auf die Kernbereiche hinzuweisen.

Der moderne Nationalstaat des Westens war im laufe seiner Entwicklung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert bestrebt gewesen, vier Ziele zu erreichen: territoriale Vorherrschaft, administrative Kontrolle, Konsolidierung einer kollektiven kulturellen Identität sowie die Herstellung politischer Legitimation durch wachsende demokratische Beteiligung. Das staatszentrierte System des 19. und frühen 20. Jahrhunderts weicht in vielen Bereichen einer Entterritorialisierung von Politik, Herrschaft und Regierungsgewalt, denn der Nationalstaat ist einerseits zu klein, um mit den ökonomischen, ökologischen, immunologischen und informatorischen Problemen fertig zu werden, und andererseits zu gross, um die Bestrebungen von identitätsgeleiteten sozialen und regionalen Bewegungen im Zaum halten zu können.

Obwohl die Einheit von Wohnort, Verwaltetwerden, demokratischer Teilhabe und kultureller Mitgliedschaft das „idealtypische“ Modell der Staatsangehörigkeit im modernen Nationalstaat weit über das Abendland ausmachte und sich weitgehend politisch und institutionell verankert hat (nationale Identität), leben wir inzwischen in einer Welt, in der die liberalen Demokratien sich mit dem Ende der einheitlichen Staatsangehörigkeit auseinandersetzen müssen: die Vereinigten Staaten von Amerika als Vorbild der Europäischen Union in vielen Bereichen sind ein Beispiel dafür. Es wird vermehrt ein „Zerstreuungseffekt“ spürbar, als dessen Folge die konstitutiven Dimensionen der Staatsangehörigkeit – kollektive Identität, politische Mitgliedschaft und das Recht auf Versorgungsansprüche und Sozialleistungen – auseinandergerissen werden. In vielen europäischen Staaten ist es nicht mehr vonnöten, die Nationalität eines Gemeinwesens zu besitzen, um an lokalen und regionalen Wahlen teilnehmen zu können, oder man kann Anspruch auf gesellschaftliche Rechte und Leistungen haben, ohne das Wahlrecht und ohne die Nationalität eines bestimmten Landes zu besitzen (wie viele europäische „Gastarbeiter“).

Multikulturelle Bewegungen, deren Einfluss sich in Europa, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland stark bemerkbar macht, sind Ausdruck dieser Umwälzungen und gleichzeitig Akteure, was die Gestaltung ihrer Zukunft betrifft: sie plädieren für die Pluralisierung kultureller Identitäten; sie fordern die Dezentralisierung der Verwaltung und die Schaffung multipler Hierarchien in Recht und Rechtsprechung; sie verlangen die Abtretung demokratischer Gewalt an einzelne Regionen oder Gruppen , und sie begrüssen die Lockerung des Bandes zwischen dauernder territorialer Ansässigkeit und staatsbürgerlicher Verantwortung.

Einerseits können die Vernetzung und das Internet bewirken, dass die weltweite Bewegung von Menschen und Waren, Nachrichten und Information rein konsumierende Individuen ohne Engagement hervorbringt, Industrien ohne Haftung, Nachrichten ohne öffentliches Gewissen und die Verbreitung von Information ohne ein Gefühl für Grenzen und Diskretion: Personen können zu E-Mail-Adressen im Raum schrumpfen, und ihr politisches und kulturelles Dasein wird im elektronischen Universum üppig wuchern, während ihre irdischen Bindungen kurzlebig, unstet und oberflächlich sind. Andererseits ermöglicht die Vernetzung auch Entwicklungen, die mit demokratischem, eigenständigen Bürgersinn besser vereinbar sind: ein weltweiter Diskurs über Menschenrechte, die Bildung von transnationalen Netzwerken der Solidarität, die die Trennlinien von Kulturen und Religionen übergreifen und sich mit Themen wie Umwelt, Erderwärmung, Aids und Rechten von Frauen und Kindern beschäftigen; der Aufstieg von Nichtregierungsorganisationen (NGO’s), die Verbreitung einer globalen Jugendkultur – Indikatoren für neue Modalitäten politischen und moralischen Handelns in einer neuen Welt. Sie deuten darauf hin, dass demokratischer Bürgersinn auch über nationale Grenzen hinweg und in transnationalen Zusammenhängen ausgeübt werden kann.

Solange künftige Kollektivitäten sich neu begründen durch die demokratische Aneignung ihres kulturellen Erbes, an dem alle davon Betroffenen zu partizipieren vermögen, lassen sich neue territoriale und nationale Grenzen ziehen und neue Institutionen für Machtteilhabe, politische Vertretung und Regierungsgewalt vorstellen. Darin liegt die künftige Herausforderung: demokratische Gleichheit und kulturelle Mannigfaltigkeit zu synthetisieren

Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Weltbank und NGO’s werden zunehmend Brückenfunktionen in einer sich dezentral organisierenden „global governance“-Architektur übernehmen. Komplexe Interaktionen über mehrere Ebenen (lokal, national, regional und global) sowie Sektoren (öffentlicher Sektor, Privatwirtschaft , Zivilgesellschaft) hinweg erfordern ein effektives themenfokussiertes Schnittstellenmanagement. Die Übernahme von Vermittlungsfunktionen zwischen Ebenen und Sektoren sowie die Bündelung von Ressourcen in konkreten Politikfeldern werden dabei die zentralen Aufgaben zukünftiger internationaler Organisationen sein.

Die essentiellen Friedensprinzipien sind gemäss dem Theologen Hans Küng:

  • statt blinder Racheaktionen: Schuldige für Verbrechen zur Rechenschaft ziehen und bestrafen;
  • statt die Spirale der Gewalt hochzudrehen: die Dynamik des Konflikts bremsen;
  • statt Parteilichkeit: ehrliche Maklerschaft;
  • statt sich an Konflikte zu gewöhnen und angesichts der Leiden der Opfer innerlich abzustumpfen: sich für vertrauensbildende Aktionen engagieren;
  • statt die Symptome von Konflikten zu bekämpfen: bei ihren sozialen und politischen Ursachen ansetzen;
  • statt sich gegen jede Veränderung zu sträuben: auch bereit sein, um des Friedens willen Rechte abzugeben.

Weltweit wird man über die Wegmarke des Schreckens vom 11. September 2001 nur wieder hinauskommen, wenn internationale Kooperation stattfindet, und dies in allen bestehenden Netzwerken oder auch in neu zu schaffenden, und zwar eine betont multilaterale Kooperation ohne Führungsansprüche von irgendwelcher Seite, denn Hegemonieansprüche sind immer potentielle Eskalationsherde und tragen zu Feindbildern bei. Dabei sollten auch die Gesprächs- und Annäherungsformen sorgfältig gewählt werden. Zu insbrünstig vorgetragene Bekenntnisse für oder wider was auch immer können Feindbilder verstärken, weil die Insbrunst schon an sich die Saite von „Gut“ und „Böse“ in einer Weise anklingen lässt, die zu verabsolutierten Kategorien führen kann und damit zu einer Art „Verwilderung“ der Moral.

 

Das Thema des Fachteils wird in Zukunft nicht schon im vorangehenden Newsletter, sondern kürzerfristig bestimmt, womit vermehrt auf aktuelle Gegebenheiten eingegangen werden kann.  

 

 

Nr. 9, November 2003

1. Teil: CICB

Ein Willkommen an drei weitere ausgewiesene Fachpersonen, die im Rahmen der Firmenpartnerschaften resp. als Senior Consultants im CICB-Team mitarbeiten: Dr. Marion Schubinski ist Psychologin und Inhaberin des Institute for Assessment and Development Dr. Schubinski in Zürich. Sie ist Spezialistin für die Konzeption, Durchführung und Auswertung komplexer Assessment und Development Center. Die Kernkompetenzen von Marlys Agbloe sind Coaching, E-Learning, Dual-Career Couples und Assessment. Sie ist Juristin, Leiterin der Agbloe Consulting in Zürich und hat langjährige Erfahrung als Personalverantwortliche in verschiedenen internationalen Unternehmen. Mónica Reppas-Schmid ist in Bolivien aufgewachsen und Leiterin der schweizerischen Unternehmung Living Cultures. Sie ist Lehrerin mit dem Masters Degree in Intercultural Relations der Lesley University (USA) und spezialisiert auf Vorbereitung und Betreuung von Familien bei Auslandaufenthalten sowie auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften an internationalen Schulen.

Eine starke Ausweitung der Kontakte und projektbezogener Zusammenarbeit auf vielen Ebenen wurde ermöglicht durch die Mitgliedschaft von Thomas Baumer (Leiter des CICB) bei folgenden Organisationen und Think Tanks: Ultranet Society (verbunden mit Megafoundation); Olympiq, Helliq, Civiq und PARS Societies (verbunden mit WIN organisation); Prometheus Society, ISI-Society, Triple Nine Society, International Society for Philosophical Enquiry, Cerebrals Society, Poetic Genius Society, Mensa und Vinci Society. Ziele sind international und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen und Ideen zu kreieren auf einem hohen intellektuellen Niveau, und diese Komplexität in einfache, effektive und motivierende Lösungen umzuformulieren.

Die letzten Aktualisierungen für den zweiten Band des Handbuch Interkulturelle Kompetenz sind nun abgeschlossen; der Erscheinungstermin wurde vom Verlag auf den 15. März 2004 festgelegt.

Die Referenzen im Newsletter 7 werden laufend aktualisiert. Gegenwärtig aktuell ist insbesondere die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Grossbank UBS in der Erarbeitung eines Konzeptes für interkulturelle Assessments und Weiterbildung.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Anstelle eines längeren Fachbeitrages ein kurzes Gedicht von Thomas Baumer:

 

Frühling

Er kommt still,
mit einem warmen Wind
und wundervollem Duft.

Leben beginnt zu wachsen,
in der Natur
und dem Herz aller Wesen.

Träume entstehen wieder,
wie eine sich entfaltende Rose
und ausgebreitete Flügel.

Hoffnung greift über,
entstehend aus Erfahrungen
und Neugier
und Respekt.

                       

 

Nr. 10, April 2004

1. Teil: CICB

Die Besprechungen der zwei Bände des Handbuch Interkulturelle Kompetenz in Zeitungen und Fachzeitschriften zeigen ein ausgezeichnetes Echo. Einige Rezensionen sind unten aufgeführt und werden bei Bedarf erweitert. Es ist zu erwarten, dass das Werk als Standardwerk anerkannt wird. Zur Zeit laufen Verhandlungen betreffend der Übersetzung in die englische und französische Sprache.

Anfang April erschien in verschiedenen Schweizer Zeitungen (u. a. Berner Zeitung, Der Bund, Anzeiger Luzern, St. Galler Tagblatt, Solothurner Tagblatt, Thuner Tagblatt, Berner Oberländer, Schweizer Baublatt) ein Interview mit Thomas Baumer (Gründer und Leiter des CICB).

Ein Spezial-Seminar zum Thema Führen und Durchhalten unter Extrembedingungen im interkulturellen Umfeld wurde in Zusammenarbeit mit Dominik Neidhart konzipiert und wird in einem eintägigen Grundkurs sowie einem (fakultativen) mehrtägigen Praxisteil durchgeführt. Dominik Neidhart ist Spitzensportler und Mitglied des Alinghi-Teams (Sieger America’s Cup 2003). Im Jahr 2000 gewann er als erster Schweizer den Louis-Vuitton-Cup. Daraufhin wurde er als Crew-Mitglied der Alinghi angeheuert, wo er die Position eines „Grinders” belegte, eine der physisch und mental anstrengendsten Arbeiten auf einem Regattaboot. In diesem Spezial-Seminar wird unter anderem auf Fragen eingegangen wie das Unmögliche in einem extrem verschiedenartigen Team und in einem unberechenbaren Umfeld möglich gemacht wird und wie man in jahrelanger kompromissloser Vorbereitung mit den Gefahren der Monotonie, die bei geringster Unaufmerksamkeit zur lebensbedrohenden Situation werden kann, umgeht. Anschliessend wird der direkte Bezug dieser Fragen zu Herausforderungen in Führungsaufgaben hergeleitet und besprochen. Im Praxisteil, der mit einem Assessment- oder Development-Center verbunden werden kann, werden diese Erfahrungen umgesetzt.  

 

2. Teil: Fachbereiche

Rezensionen zum ‘Handbuch Interkulturelle Kompetenz’

Weltumspannende Kontakte zu Unternehmen, Institutionen, Lehranstalten sowie Privatpersonen sind heute an der Tagesordnung und die Fähigkeit, miteinander erfolgreich zu kommunizieren, ist zunehmend gefragt. Die Grundvoraussetzungen dafür sind Sensibilität und Selbstvertrauen sowie das Verständnis anderer Verhaltensweisen und Denkmuster. Der Autor, selbst international tätiger Manager, widmet sich in seinem Buch fundiert Themen wie Strukturmerkmalen von Kulturen, länderspezifischen Kontaktschwierigkeiten, Wertverständnis und globalem Konfliktmanagement, Entwicklung und Fähigkeiten interkultureller Teams, Gefahren interkultureller Inkompetenz sowie interkultureller Pädagogik und transkultureller Medizin und Psychiatrie.
(Business Bestseller, D-Hamburg)

Dieses umfassende Handbuch mit Sachregister zur Interkulturellen Kompetenz ist ein unentbehrlicher Wegweiser für alle, die international tätig sind, denn Management im internationalen Massstab erfordert nicht nur Sprachkenntnisse, sondern Kenntnis und Respekt vor der fremden Kultur, um gemeinsam Erfolg zu haben. Kulturelle Besonderheiten und daraus folgende Konsequenzen für Teams stellt der Autor ausführlich dar.
(Manager-Seminare, D-Bonn)

Sinn und Zweck des Buches ist nicht, dass die Leser nach der Lektüre die kulturellen Unterschiede aufsagen können. Es geht vielmehr darum, über mögliche Konflikte Bescheid zu wissen und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Der Autor stellt Fragen zur Diskussion und zeigt Lösungen auf. Thomas Baumer liefert viele Denkanstösse. Sein Werk ist ein wichtiger Beitrag zum Thema interkulturelle Zusammenarbeit. Eine lohnenswerte Lektüre.
(TM Tourismus-Magazin, D-Darmstadt)

Der Autor bedient sich für sein Handbuch aus allen Klassikern und aktualisiert sie durch eigene Kenntnisse. So gelingt ihm ein ansprechendes, das Problem durchdringendes Buch.
(Financial Times, D-Hamburg)

Global agierende Unternehmen sind auf Mitarbeiter angewiesen, die sich auf dem glatten Parkett kultureller Unterschiede sicher bewegen können. Denn überall lauern Fettnäpfchen, warnt Autor Thomas Baumer. Werden Tabus gebrochen oder bestimmte Verhaltensregeln missachtet, sind diese Verstösse meist irreparabel. Der international erfahrene Manager beschreibt in seinem Handbuch, in welche Fallen Manager tappen können. Ein Buch, das kulturelle Empfindlichkeiten sehr anschaulich beschreibt.
(Wirtschaftswoche, D-Düsseldorf)

Das Buch zeigt die unterschiedlichen Normen des europäischen, arabischen, asiatischen und lateinamerikanischen Kulturkreises, Kriterien zur Bildung internationaler Teams sowie Qualifikationsmöglichkeiten und Voraussetzungen für interkulturelle Kompetenz.
(Österreichs Wirtschaft, A-Wien)

Der Autor hat als international tätiger Manager, Referent und Gründer des CICB Center of Intercultural Competence langjährige Erfahrung im interkulturellen Austausch. Fundiert widmet er sich den diversen Aspekten der interkulturellen Kompetenz.
(Hotel Journal, CH-Wängi)

Der Autor gibt in diesem spannend zu lesenden Buch seine langjährigen Erfahrungen als international tätiger Manager wieder.
(Prof. Dr. Dr. Kurt Guss, Bundeswehrverwaltung, D-Heidelberg)

Für all diese Punkte liefert dieses Handbuch wertvolle Anleitungen und Tipps. Denn die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturen erfolgreich zu kommunizieren, stellt für den international tätigen Manager eine Kernkompetenz dar.
(Handels-Zeitung, CH-Zürich)

Durch zahlreiche Beispiele aus Europa, Asien und Amerika erfährt man viel über die kleinen und grossen Unterschiede zwischen den Kulturen: Eine interessante Lektüre, die sensibilisiert. HRgate empfiehlt sie allen Personen, die geschäftlich oder privat mit Menschen aus anderen Kulturen zu tun haben.
(HRgate, The Definitive HR Competence Centre, CH-Urdorf)

Einen guten Überblick über das Thema bietet das “Handbuch Interkulturelle Kompetenz” von Thomas Baumer.
(Frankfurter Allgemeine, D-Frankfurt am Main)

Man spürt, dass hier jemand aus langer Erfahrung spricht. Es ist ein Grundlagenwerk, das jeder dann mit seinen eigenen Erfahrungen abgleichen, ergänzen und erweitern kann. Es ist kein Länderführer in der Art „In diesem Land wird nicht mit der Gabel gegessen“ oder dergleichen, hier geht es um die grundlegenden Fragen. Wer rund um den Globus mit Menschen zu tun hat, sollte sich mit diesem Thema befassen, wenn er sein Gegenüber angemessen behandeln möchte.
(Literaturzeitschriften Ixlibris